Ein gesunder Boden als Existenzgrundlage

Am 27. November 2019 begrüßte Franz Rösl, der 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V. (IG gesunder Boden), 500 Teilnehmer/Innen zum 4. Bodentag in Neunburg vorm Wald in der Oberpfalz. 

Franz Rösl beschrieb unseren Boden als lebendigen Organismus, der die Basis für die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen bildet. Boden und Pflanze müssen wir als Einheit begreifen (s. Interview im Slow Food Magazin 05/2019 S. 74 ff). 

Ein gesunder Boden versorgt die Pflanzen ausreichend mit Nährstoffen und Spurenelementen. Die Pflanze wiederum mit Ihren Wurzeln und Wurzelausscheidungen ernährt das Bodenleben und baut den Boden auf. Je vielfältiger die Pflanzengemeinschaft, desto vielfältiger das Bodenleben. 

Unser Ziel muss es sein Lebensmittel zu erzeugen, die die bestmöglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf Tier und Mensch haben. Statt höchste Masse sollten wir höchste Qualität erzeugen!

Herr Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker hielt den Vortrag „Umwelt in Not und die politischen Aufgaben“. Er verdeutlichte die Unterschiede zwischen einer „leeren“ und einer „vollen“ Welt (ab 1950) und entwickelte daraus die folgenden drei Botschaften an die Menschheit:

  • „Denkt an die Enkel und die Enkel der Enkel.“
  • „Stabilisiert die Bevölkerung so rasch wie möglich.“
  • „Sorgt dafür, dass die Preise die ökologische Wahrheit sagen.“

Der nächste Redner war der Agrarwissenschaftler Dr. Joachim Liebler. Sein Fachvortrag beschäftigte sich mit den unterschiedlichen Methoden der Bodenuntersuchung. Da das Nährstoffpotenzial des Bodens immer auch im Zusammenhang mit der angebauten Kultur steht, bedarf es zusätzlich zum Ergebnis der Bodenuntersuchung auch der Erfahrung des Landwirts und der Kontrolle der Nährstoffaufnahme über Pflanzenanalysen.

Ihm folgte der Praktiker Klaus Keppler, der gemeinsam mit seiner Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Oberschwaben bewirtschaftet, seit 27 Jahren pfluglos und seit 7 Jahren in Direktsaat. 

Er erklärte den Weg der konservierenden Bodenbearbeitung anschaulich und wie wichtig es ist, das gesamte System einschließlich Fruchtfolgeentwicklung, Düngung und Pflanzenschutz weiterzuentwickeln, immer mit dem Ziel wirtschaftlich zu bleiben. Ein lebendiger, gesunder Boden sei dafür absolute Grundvoraussetzung.

Mit Eckhard Döring, dem Betriebsleiter der biologisch wirtschaftenden Gräflich von Moy´schen Gutsverwaltung Dittenfeld meldete sich ein weiterer Praktiker zu Wort.

Sein Focus lag auf der Bodenfruchtbarkeit und Bodenschonung, unter anderem über den Einsatz organischer Düngung und die abgestimmte Beweidung durch Tiere, die aus der Zusammenarbeit mit mehreren Schäfern aus der Region resultiert.

Nach der Mittagspause mit wohlschmeckender Biokost von lokalen Herstellern erklomm der Biolandwirt und vielfältig engagierte Verbandsvertreter Dr. Felix Prinz zu Löwenstein das Podium. Seinen Familienbetrieb in Südhessen hat er bereits 2014 an die nächste Generation übergeben.

Der Schwerpunkt seines lebendigen Vortrags: Alles hängt mit allem zusammen! Wir wirtschaften in Ökosystemen und sind als Menschen zugleich Teil davon. Unsere zentrale Herausforderung ist es so wirtschaften zu lernen, dass wir die Funktionsfähigkeit dieser Ökosysteme aufrechterhalten und dazu gehöre eben ganz entscheidend, aber leider viel zu wenig beachtet, die Bodenfruchtbarkeit.

Anschließend wurden wie jedes Jahr die Botschafter gesunder Boden 2019 geehrt. 

Laudatorin in diesem Jahr war die Vorstandsvorsitzende Slow Food Deutschland e.V.

Dr. Ursula Hudson.

Frau Dr. Hudson erklärte eingangs die SlowFood-Philosophie der Gestaltung eines enkeltauglichen Lebensmittelsystems. Voraussetzung dafür seien gesunde humusreiche Böden, die hochwertige Pflanzen und Lebensmittel hervorbringen. Weil SlowFood den Wissensaustausch dazu als äußerst wichtig erachte, sei SlowFood Deutschland auch Mitglied bei der IG Boden geworden.

Für ihren langjährigen, erfolgreichen Einsatz für einen gesunden, nährstoffreichen Boden wurden geehrt:

  • der Landwirt Michael Simmel, der auf 20ha mehr als 60 verschiedene Kräuter-, Gemüse- bzw. Ackerkulturen anbaut und nach der Devise handelt: „Leben kann nur vom Lebendigen kommen“
  • der Landwirt mit Milchviehbetrieb, Futterbau und Marktfruchtbau, Franz Kriechenbauer, dessen Leitsprüche lauten: „Wir haben nur diesen einen Boden, es ist unsere Aufgabe ihn sorgsam zu behandeln, damit wir ihn guten Gewissens der nächsten Generation weitergeben können.“ Und „Der Humusaufbau ist für uns Landwirte eine große Chance für gesellschaftliches Ansehen.“
  • der Landwirt mit Milchviehbetrieb mit Futterbau Manfred Gilch, der ab 2016 seinen Betrieb auf organisch-biologischen Landbau nach den Bioland-Richtlinien umgestellt hat und u.a. durch die pfluglose Bodenbearbeitung und den Aufbau von Humus die Erfahrung gemacht hat, dass sich die Tiergesundheit nachhaltig verbessert hat.

Das abschließende Referat hielt der unabhängige Fütterungsberater Mathias Mayer, der     

anhand von Praxisbeispielen mit Rationsberechnungen Möglichkeiten aufzeigen konnte, wie unsere Milchkühe gesund, langlebig und ausgewogen ernährt werden können.

Fazit:  Auch der 4. Bodentag 2019 der IG gesunder Boden war ein voller Erfolg, hielt er einerseits vielfältige Informationen aus Forschung und Praxis zur Bodenbearbeitung, Düngung und Fruchtfolgen bereit, diente er andererseits als Plattform für einen lebendigen Erfahrungsaustausch unter Fachleuten, Praktikern und interessierten Laien nach der Devise des Preisträgers Michael Simmel:“ ..und vergesst mir den Boden nicht!“

Termin:  Der 5. Bodentag findet am Donnerstag, den 26. November 2020 wieder in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald statt.

© Barbara Alpen, Waldemar Kiessling