Die Krankheit Krebs

Am Beginn der Homöopathie steht der Chinarindenversuch von 1790. Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) entdeckte ihn bei der Übersetzung von Cullens Arzneimittellehre aus dem Englischen, probierte ihn selbst aus und formulierte daraus das Heilgesetz „similia similibus curentur“, „Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt“.

Mittlerweile gibt es homöopathische Heilmittel aus allen Naturreichen. Die meisten sind aus Pflanzen, Mineralien, Metallen, tierischen Bestandteilen oder Krankheitserregern. Letztere werden auch Nosoden genannt.

Ende des 19.Jahrhunderts führte der schottische Arzt J. Compton Burnett (1840-1901) die Krebs-Nosode Carcinosinum ein, die aus Krebsgewebe der Brustdrüse hergestellt wurde. Inzwischen gibt es verschiedene Krebsnosoden, die aus unterschiedlichen Tumoren gewonnen werden, aber das „Brustdrüsen-Carcinosin“ ist das heute am meisten gebräuchliche.

Die umfangreichen Arzneimittelprüfungen von Carcinosinum führten zu aussagefähigen Ergebnissen über das Wesen von Krebs.

Wie verhält sich üblicherweise der Carcinosin-Typus?
Anpassung und Verzicht

Typische Äußerungen:    

  • „Ich weiß nicht, wie mein eigener Lebensweg aussehen soll.“
  • „Ich übernehme die Vorgaben anderer, z.B. der Eltern, Partner, Vorbilder, religiöser Sekten etc.“ 
  • „Ich verzichte um der Harmonie willen auf meine eigenen Ideen und Wünsche und übernehme die Meinungen und Lebensvorstellungen anderer. Ich kann keine eigene Identität aufbauen.“
Überforderung

Typische Äußerung:    

  • „Ich stelle auf allen Ebenen höchste Ansprüche an mich selbst, die meine Möglichkeiten weit übersteigen und mich ständig an die Grenzen der Belastung bringen.“
 Selbstkontrolle und Perfektionismus

 Typische Äußerungen:    

  • „Keiner kann es so gut wie ich, deshalb mache ich gleich alles selber.“
  • „Ich vermeide Fehler um jeden Preis, egal, was dieser Preis mir abverlangt.“
Kontrolle (nach außen gerichtet)

Typische Äußerung:

  • „Aus Angst vor „den Gefahren des Lebens“ entwickle ich Vermeidungstaktiken wie z.B. als Gesundheitsapostel: ich kontrolliere pedantisch alles, was ich esse, trinke, anziehe (Schadstoffe!), meine Tagesrhythmen etc.“

Die Homöopathie geht davon aus, dass die Krankheit Krebs oder die Krebs Disposition immer etwas mit den Themen „Ablösen, Loslösen und Voranschreiten“ zu tun hat. Die Säuglingsphase, die erste Entwicklungsphase eines Menschen endet in der Regel mit dem Abstillen von der Mutterbrust.

Wie bereits erwähnt, wird die meist gebräuchliche „Carcinosin-Nosode“ in der Homöopathie aus erkranktem Brustdrüsengewebe hergestellt. So führt diese Arznei zu einem Abtrennen/“Abstillen“ von einer krank gewordenen Abhängigkeit zu anderen Menschen/Systemen etc. und leitet in vielen Fällen einen Bewusstseinsprozess ein, der mit Fragen wie:

Wer bin ich? Was will ich als eigenständiges Individuum vom Leben?

einhergeht.

Ich löse mich also aus dem ZU VIEL an „mütterlichen“ Versorgung, aber auch aus dem ZU VIEL an Anpassung an andere.

Hier finden wir eine interessante Analogie in der Astrologie:

Das Tierkreiszeichen Krebs steht sowohl für die fürsorgliche Mutter-Thematik als auch für die Suche nach mir selbst und meinem inneren Kind. Krebs-Geborene sollten stets Innenschau halten, ihre Intuition schulen und spüren lernen, was ihnen gut tut, was ihnen fehlt und vor allem, wo ihr Platz im Leben ist. Dem Krebs gegenüber liegt das Tierkreiszeichen Steinbock, welches auch für Abgrenzung und Eigenständigkeit steht. Nach dem ersten Saturnzyklus, (der Planet Saturn ist Herrscher im Tierkreiszeichen Steinbock) etwa mit 29 Jahren trennen sich viele Menschen – meist über eine Krise – von den Vorstellungen ihrer Herkunftsfamilien ab und beginnen ihren eigenständigen Weg.

Der Lebensweg führt immer wieder an Kreuzungen, an denen wir Menschen Entscheidungen fällen müssen. An solchen Kreuzungen können Leid und Krankheit entstehen. Wenn Eltern versuchen ihr Kind, wie in einem Kokon von Konfliktsituationen fern zu halten, nehmen sie ihm die Möglichkeit zu lernen, eigene Entscheidungen zu treffen, seine Kräfte einzuschätzen und sich durchzusetzen. Das ist ein Problem, das wir auch aus der Medizin kennen. Welches Kind darf heute noch über 38 Grad Fieber haben? Gleichzeitig wissen wir, dass der Körper über Fieber nicht nur Bakterien und Viren tötet, sondern auch kranke Körperzellen zerstört. Die Erlaubnis auch einmal krank sein zu dürfen, gehört auch zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit.

Daher ist es sowohl in der Homöopathie als auch in der Anthroposophie wichtig, Körper, Geist und Seele als Einheit zu sehen und entsprechend zu behandeln. So segensreich unsere moderne Medizin ist, so verhängnisvoll ist oft ein ZU SCHNELL und ZU VIEL.

In der anthroposophischen Medizin wird z.B. das Durchleben der Kinderkrankheiten als Meilenstein in der Persönlichkeitsentwicklung betrachtet, wobei sich die Anthroposophie in keiner Weise gegen das Impfen an sich ausspricht. Alles ist eine Frage des richtigen Zeitpunkts.

Ich stelle zur Diskussion, dass jeder Mensch nur die für ihn und seinen Entwicklungsweg spezifischen Krankheiten bekommt und zwar immer zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Intensität.

Das ist auch die Erfahrung, die ich in meiner langjährigen Praxis, in meiner Familie und mit meinen drei, jetzt erwachsenen Kindern gemacht habe.

Das würde in Folge bedeuten: wenn die Auseinandersetzung mit den eigenen Kräften weitgehend verhindert wird, fehlt zu einem späteren Zeitpunkt auch die Fähigkeit an einem Kreuzungspunkt eine eigenständige Entscheidung zu treffen. Also bleibt  letztendlich nur die Anpassung an das jeweilige familiäre oder gesellschaftliche Wertesystem.

Den eigenen Lebensweg zu gehen ist ein Urbedürfnis im Menschen. Und ein Weg hat immer etwas mit „weg-bewegen“ zu tun, also auch mit „weg-bewegen“ aus dem mütterlichen, familiären Schutz, aus Traditionen, angenommenen Gewohnheiten und  übernommenen Normen. Der erwachsene Mensch ist sich selbst Mutter und Vater, erkennt bewusst, was sein ganz eigener Weg ist und versucht sich nach seinen Vorstellungen zu verwirklichen.

Bei Krebspatienten unterstützt dieses Erkennen häufig den Heilungsprozess.

Anthroposophie: das Therapeutikum Nr. 1 in der anthroposophischen Krebstherapie ist die Mistel und zwar nicht, wie häufig falsch verstanden, als alleiniges Heilmittel, sondern in Kombination mit den schulmedizinischen Methoden. Die anthroposophische Medizin versucht der Diagnose Krebs den Stempel: „führt unweigerlich zum Tode“ zu nehmen und Krebs einfach als schwere Krankheit zu sehen.

Was bedeutet ein „Todesurteil“ für unsere Seele? Ist unser Denken Teil einer „self fulfilling prophecy“?

Die Krebsforschung geht heute davon aus, dass die Tumorverdoppelungszeit zwischen 100 und 300 Tagen beträgt. Von der ersten Tumorzelle bis zu einem tastbaren/sichtbaren Krebsbefund vergehen somit mehrere Jahre. Die anthroposophische Medizin schlägt vor, eine schulmedizinische Krebsbehandlung immer durch eine die Konstitution stärkende Therapie vorzubereiten und zu begleiten, um die den Organismus schwächenden Nebenwirkungen (von Chemotherapie und Bestrahlung)  zu minimieren und die Lebensenergie zu stärken.

© Barbara Alpen