Die Göttin in uns

Anregung  für ein vielfältiges, lebendiges FrauSein

Manche Leserin wird sich fragen: Was soll ich denn von den griechischen Göttinnen lernen?

Die griechischen Mythen sind Jahrtausende altes, erprobtes und nachvollziehbares Menschheitswissen. Als Archetypen halten Sie hilfreiche Hinweise für unser Leben bereit.

Konkrete Fragen sind:

  • Was fehlt mir zum glücklichen FrauSein?
  • Welche Botschaften lassen sich aus den „Schicksalen“ der griechischen Göttinnen für mich entnehmen?
  • Welche hilfreichen Wegweiser finde ich in der Beschäftigung mit den Göttinnen-Archetypen für meine aktuelle Lebenssituation?

Es gibt sieben weibliche Archetypen, die ein vielfältiges, lebendiges FrauSein beschreiben. Die Beschäftigung damit kann uns helfen, in jeder Göttin die eigenen Anteile zu erkennen und fehlende oder überwiegende Anteile ausgleichen. Oft sind es die abgelehnten Wesensanteile, die es zu integrieren gilt.

  1.  Archetyp: Artemis

„Göttin der Jagd und des Mondes, Rivalin und Schwester“

Artemis steht für den unabhängigen weiblichen Geist, der sie befähigt selbstgewählte Ziele zu verfolgen. Sie ist emanzipiert, sorgt für sich selbst und liebt ihre Unabhängigkeit.  Eine Frau, die „sich mit Rucksack und Schlafsack allein auf Reisen macht, bei Mond- und Sternenlicht unter freiem Himmel schläft und durch Wüsten wandert“, erfährt dieses innere Bild und die Energie der Artemis. Für diesen Archetyp ist der berufliche Erfolg wichtig, während  der Partner oft nur eine zweitrangige Rolle spielt.

  1. Archetyp:   Athene

„Göttin der Weisheit und der Künste der Frauen, Strategin und Vatertochter“

Athene wird als einzige Göttin des Olymps mit Helm, Rüstung, Speer und Schild dargestellt. „Als Göttin der Weisheit ist sie für ihre siegbringenden Strategien und praktischen Lösungen bekannt. Sie bewahrt in jeder Situation einen kühlen Kopf und setzt auf das scharfe Funktionieren ihres Verstands, ihr Spielfeld ist das Geschäftsleben auf akademischen, wissenschaftlichen oder politischem Gebiet.“ Sie weiß sich auf effiziente Art durchzusetzen, kann dazu anderen, auch Männern, als Mentorin zur Seite stehen. Als Vatertochter fühlt sie sich von machtvollen Männern angezogen und „vollstreckt als seine rechte Hand“ Weisungen und Entscheidungen.

  1. Archetyp: Hestia

„Göttin des Herdes und des Tempels, die weise und die unverheiratete Frau“

Hestia ist im Heim und am Herd zuhause, für sie ist Haushalt nicht Last, sondern das „Ordnung schaffen“ sinnvolle Tätigkeit. Hestia kleidet sich schlicht, ist immer der „ruhende Pol“ und bleibt im größten Chaos geerdet. Eine Frau, die Hestias Einstellung übernimmt, sieht in der Hausarbeit eine willkommene Gelegenheit ihren Geist zu beruhigen und erledigt die alltäglichen Aufgaben in meditativer Gelassenheit.

  1. Archetyp:   Hera

„Göttin der Ehe, die Frau, die Bindungen eingeht, die Ehefrau“

„Der Hera-Archetyp repräsentiert die Sehnsucht einer Frau nach dem Status der Ehefrau, ohne einen Ehepartner fühlt sie sich unvollständig. Sie braucht das Prestige, den Respekt und die Ehre, die mit einer Heirat für sie verbunden sind. Sie ist die strahlende Braut, fühlt sich an ihrem Hochzeitstag unter Umständen wie eine Göttin. Geht sie eine Bindung ein, so will sie „in guten und in bösen Tagen“ loyal und treu sein und auch Schwierigkeiten aushalten. Erlebt sie Verlust und Schmerz, so reagiert sie mit Wut und Rache. Ihre wichtigste Aufgabe ist es einen dauerhaft bindungsfähigen und–willigen Partner zu finden.“

  1. Archetyp:   Demeter

 „Göttin der Kornfelder, Ernährerin und Mutter“

„Eine Frau mit einem starken Demeter-Archetyp sehnt sich danach Mutter zu sein.“ In der Mutter-Rolle findet sie Erfüllung im Pflegen und Nähren. Sie hat Freude daran, reichhaltige Mahlzeiten für Familie und Gäste zuzubereiten. Beharrlich sorgen Demeter-Mütter für das Wohlergehen ihrer Kinder. Den Demeter-Archetyp zeichnet Großzügigkeit aus. „Diese Frauen sind um Nahrungsmittel und körperliche Pflege besorgt, unterstützen andere Menschen auf der gefühlsmäßigen und psychologischen Ebene, vermitteln spirituelle Nahrung und Weisheit.“

  1. Archetyp:   Persephone

„Das Mädchen und die Göttin der Unterwelt, die rezeptive Frau und die Muttertochter“

Die Göttin Persephone steht für zwei Aspekte des FrauSeins, für zwei archetypische Verhaltensmuster.

Der eine Archetyp (auch Kore genannt) repräsentiert „das junge Mädchen, das noch nicht weiß, wer es ist. Es will sich auf keinerlei verpflichtende Bindung festlegen, weder bezüglich einer Ausbildung, einer Arbeit oder Beziehung.“ Diese Haltung des „ewigen Teenagers“ kann sich durch das ganze Leben ziehen, „das Warten auf jemanden oder etwas, der oder das sein Leben verändern wird.“

Dieser Archetyp pflegt ein enges Verhältnis zur Mutter, „will gefallen, eine brave und gehorsame Tochter sein.“ Weiblichkeit verbindet sie mit Passivität und Abhängigkeit. Sie will als „Dornröschen vom Prinzen“ geweckt werden.

Persephone ist aber auch die Göttin der Unterwelt. Dieser Aspekt verkörpert die Fähigkeit zwischen „Phantasiewelten, unbewussten Wirklichkeiten und der realen Welt hin und her zu wandern, zwischen ihnen zu vermitteln.“ Frauen, die als Therapeutinnen tätig sind, benötigen diese Kraft der Persephone, um ihren Klientinnen  dabei zu helfen das Unbewusste (Unterwelt) zu bearbeiten.

  1. Archetyp:   Aphrodite

„Göttin der Liebe und der Schönheit, kreative Frau und Geliebte“

„Der Aphrodite Archetyp steht für Liebe, Schönheit, Sexualität und Sinnlichkeit, zugleich für den Einfallsreichtum und die Kreativität bei der Erschaffung von künstlerischen und sonstigen Werken.“

Wenn eine Frau eine starke Anziehungskraft besitzt und alle Blicke auf sie gerichtet sind,  dann ist Aphrodite lebendig.

Wenn sich eine Frau verliebt, sich begehrenswert fühlt, mit klopfendem Herzen verabredet und beim Flirt die berühmten Schmetterlinge im Bauch spürt, dann ist Aphrodite am Werk. Zugleich kann eine Frau, die eine solche Sinnlichkeit ausstrahlt und gerne (und oft) verführt, Schwierigkeiten bekommen oder abgewertet werden, wenn sie in einer patriarchalischen oder anderen streng religiös ausgerichteten Gesellschaft lebt, die ihr nicht diese Freiheiten zugesteht.

Aphrodite beeinflusst aber auch die schöpferischen Kräfte von Menschen. Eine Frau, die sich mit Haut und Haaren einer Tätigkeit oder Aufgabe verschrieben hat, wie z.B. dem Tanz, Gesang oder einer anderen Form der darstellenden Kunst und die darüber Zeit und Raum vergisst, die spürt Aphrodite´s Blick und Kraft.

 

Diese Portraits geben nur einen kurzen Überblick über die Archetypen der griechischen Göttinnen.  Eine gezielte Bearbeitung im Einzelgespräch oder Seminar ist möglich.

Wir arbeiten gemeinsam heraus

  • welche Anteile Sie befriedigend und voller Freude leben
  • welche Eigenschaften sich unter Umständen destruktiv äußern
  • und welche inneren Bilder im Hinblick auf eine reife, authentische, anziehende Persönlichkeit mit Leben erfüllt werden wollen.

 

Quelle: „Göttinnen in jeder Frau“ – Psychologie einer neuen Weiblichkeit, Jean Shinoda Bolen, 3. Auflage 2007, Berlin (wörtliche Zitate in Anführungszeichen)

© Barbara Alpen