Die Evolution im Tierkreis (1): Der innere Weg

Die Beschäftigung mit dem Tierkreis und die Analyse der einzelnen Zeichen helfen uns die essentiellen Fragen, die wir uns irgendwann im Leben stellen, zu beantworten:

  • Wer bin ich?
  • Wie nütze ich meine Möglichkeiten?
  • Was kann ich erschaffen?

Es soll JETZT eine neue, verantwortlichere, gerechtere Welt entstehen und um diese Welt zu kreieren, muss sich die alte, an Macht und Konsum orientierte Welt auflösen. Wie sich dieser Prozess für jeden Einzelnen von uns gestaltet, liegt in unserer Hand.

Übernimm die Verantwortung für Dein Leben und Wirken!

In dieser Betrachtung stelle ich den inneren Weg anhand der ersten sechs Tierkreiszeichen dar.

1. „Bringe die neuen Ideen auf die Welt!“

Zur Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche (21.März) wird Widder geboren.  In ihm zeigt sich die langsam zunehmende Kraft des Tages, während die Kräfte der Nacht abnehmen. Der Tag ist nun wieder gleich stark. Im Widder erlebt die Personalität des Menschen ihre Geburt und Jugend. Der junge Mensch drängt zur Entfaltung und will sich von der schützenden Hülle seines Elternhauses befreien. Der junge Held wird als Einzelperson hineingeboren in eine ihm fremde, mitunter feindliche Welt, die er für sich erobern muss und vor der er keine Angst zeigen darf. Seine Erwartungen paaren sich mit Verlegenheit und emotionaler Verwirrung. Er muss etwas wagen, die anfängliche Unsicherheit soll dem Enthusiasmus weichen. Mal lärmend und dreist verhält sich Widder, er schreckt zurück um im nächsten Moment wieder loszustürmen. Seine Seele zwingt ihn sich selbst zu erschaffen und vor sich selbst Macht zu demonstrieren. Das ist weder krankhaft, noch therapiebedürftig, sondern einzig und allein ein Zeichen seiner Unfertigkeit. Widder kümmert es nicht, ob seine Ideen und Schöpfungen zu Ende gebracht werden. Und es ist richtig so. Er ist erfüllt vom Schöpfungsfunken und der Energie der Idee und das ist seine eigentliche Aufgabe.

2. „Mache die Erde nutzbar und bereite den Boden für das Leben!“

Im Stier hat die Kraft des Tages die Nacht überwunden, jeden Tag erleben wir mehr Licht. Die Stürme aus der Widderzeit verwandeln sich in Ruhe und Beharrlichkeit. Stier setzt den Keim in die Mutter Erde und der Keim braucht Zeit um zu wachsen und zu gedeihen. Er braucht Bemühen, Schutz, Kraft und Ausdauer. Stier bearbeitet den Boden, sodass er Frucht trägt um die Menschheit zu nähren. Stier erschafft Sicherheit und Stabilität. Der Instinkt weicht dem Organisationstalent. Tradition, Gewohnheit, aber auch Starre und Trägheit erlangen Bedeutung. Der Widder handelte geradlinig, der Stier zieht seinen Pflug im Kreis und begrenzt seine Erde mit einem Zaun, der Energiestrom kehrt zu ihm zurück, er beschränkt sich freiwillig im Rahmen des Machbaren. Im Stier wird die Erde durch die Kraft der Sonne fruchtbar gemacht, es ist die oberste Schicht der Erde, das Reich des bewussten Seins, das den Boden vorbereitet für den Intellekt des Menschen, der im Zwilling  die höchste Stufe des bewussten Intelligenz erreicht.

3. „Nütze alle Gelegenheiten, nichts ist unnütz!“

In Zwillinge erreicht man die letzte Stufe des Frühlings und des stets länger werdenden Tages. Die Ideen aus dem Widder haben im Stier ihre Früchte getragen. Der junge Mensch hat gelernt sich als Individuum in der Familie durchzusetzen, er wächst über Traditionen und Zäune hinaus und möchte seine gesellschaftlichen und intellektuellen Fähigkeiten erweitern, neue Beziehungen eingehen, im Innen wie im Außen. Es gibt nichts, was uns in Zwillinge nicht interessiert, alle Bindungen und Fesseln werden gelöst. Das Licht des Tages hat seinen Höchststand erreicht, alles möchte gesehen werden, die Kräfte der Nacht und des Unsichtbaren werden negiert. Der Intellekt entwickelt sich durch den Gebrauch der Sprache, mit schöpferischer Leichtigkeit sehen wir den Dichter und den Künstler, den Händler und den Vermittler. Zwillinge weitet seine Erfahrungswelten mit dem Ziel seine eigene Personalität aufzubauen aus. Der Mensch will danach im Krebs einen eigenen Hausstand gründen.

4. „Höre auf die Stimme in deinem Inneren!“

Mit der Sommersonnenwende wir der Höhepunkt der Tagkraft, die bewusste „Sichtbar-Werdung“ verbunden. Im Zeichen Krebs findet die Ausweitung des Seins ein Ende, die Zwillinge-Energie wird umgepolt. Sowie die Stier-Erde das Widder-Feuer eindämmt, kondensiert das Krebs-Wasser das luftige Wesen von Zwillinge. Die Suche nach dem inneren Kern des Menschensseins beginnt, der nach allen Richtungen ausschweifende Eifer der Zwillinge wird aufgeben, die Vorwärtsbewegung endet. Die matriarchalische Macht der Nacht entfaltet sich und setzt der Ausweitung des Erlebens eine Grenze. In Krebs drängen irrationale, emotionale und spirituelle Kräfte aus dem Unbewussten an die Oberfläche und verlangen nach Schutz und Rückzug des Individuums, die Suche nach einem Zuhause, einer Familie, nach Göttlichem. Krebs sucht seine Verantwortung dem Leben und der Gesellschaft gegenüber.

5. „Tritt auf die Bühne des Lebens und zeige dich!“

Im Krebs wurde ein Hausstand begründet, Frau und Mann haben sich gefunden, um nun im Löwen Nachkommen zu zeugen. Mit der Nachkommenschaft verbindet sich höhere soziale Verantwortung. In Löwe beginnt die Integration zwischen Eltern und Kindern, davon untrennbar ist die Verantwortung für die Generationen, für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vom Reich der Gefühle (Krebs) entwickeln wir uns in das Reich der Emotionen. War das Gefühl noch eine innerer Prozess, zeigt sich die Emotion im Außen durch eine Handlung. Löwe zeigt seine Emotionen häufig auch durch dramatische Darstellungen seines „ICH BIN“. Er ringt um soziale Anerkennung, Selbstsicherheit und Selbsterhöhung.

6. „Finde den passenden Weg und werde zum Seelenführer!“

In Jungfrau wird das Geschehen aus der Löwe-Zeit analysiert und entweder abgelehnt oder weiterentwickelt. Die Übertreibungen, die aus der unbewussten Löwe-Nachtkraft mit allen emotionalen Projektionen entstanden sind, müssen nun korrigiert werden. Mündig wurde der Mensch zur Sommersonnenwende (21. Juni), jetzt muss er in Jungfrau gesellschaftsfähig werden und über die Schwelle nach außen treten. Ein eventuelles Scheitern aus den Löwe-Übertreibungen muss korrigiert werden. In Jungfrau entsteht Bewusstsein, über allem steht ein Fragezeichen. Jungfrau entwickelt soziale Anpassung und vielleicht sogar echten inneren Frieden, der in Waage vollendet wird.

(Inspiriert durch Dane Rudhyar: Die astrologischen Zeichen – Der Rhythmus des Zodiak, 1987)

© Barbara Alpen